Ich besitz’ ne schöne Kollektion von hinreissenden Momenten in meinem Bett, zwischen mir und diversen John Does. Solche Erinnerungen tragen natürlicherweise zu meiner aktuellen Rezeptionshaltung für nächtliche, interkursische Diskussionen bei – die nämlich nicht existiert. Was du sagst, wenn du neben mir im Bett liegst, kann ich bei Gott nicht ernst nehmen. Dein Penis ist schon so nahe am Ziel, dass dein Mundwerk nur noch Katalysator sein kann.
Hier ein paar Impressionen aus meinem Poesiealbum für potentielle Penetration:
1. Ich hatte den roten Lippenstift montiert und mich in einen Club an der Reeperbahn gestellt. For the Kickoff mal drei Vodkaapfelsafts getrunken und auf mein Glück gewartet. Dieses kam nicht oder ich sah es nicht und ich wollte schon gehen als – eine Gruppe dänischer Buben mir ne Flasche Anisschnaps ins Gesicht streckte. Drei Stunden später turnte ich mit Nils in meinem Bett, wurde aber irgendwann so müde, dass ich mich einfach wegdrehte und zum einschlafen ansetzte. Und dann Nils, legendär: „Sach mal, biste jetzt zu müde zum ficken oder was?“
2. Ich hatte mich verliebt. Er war gross, bärtig, trug mintgrüne Slip-ons, roch perfekt, sein Körper neben meinem fühlte sich an wie die Heimat. Ich wollte nur noch meinen Kopf in seinen Nacken legen und mit glühendem Lava übergossen werden. Abgesehen von seiner Perfektion, wohnte er auch in Osaka. Fucking Japan. I don’t do other continents. Und er sagte in der zweiten Nacht: „Ich treff’ mich in der Regel nur drei Mal mit Frauen. Das ist ein gutes Format. Weißt du – wahres Glück ist kurzes Glück.“. Mein Herz blutete und so enstand Japans Nationalflagge.
3. Mir war langweilig. Und ich war einsam (Was war nochmals zuerst?). Und ich lernte einen süssen, kleinen Wirtschaftsstudenten kennen. Ich kam über seine perfekte Frisur und die Tatsache, dass er weniger wog als ich, hinweg und schaute mit ihm eines Nachts „Last Tango In Paris“. Danach massierte er mich ein bisschen und verband diese Nettigkeit mit einer Forderung nach einer Gegenleistung: „Die Butterszene!“.
4. Ich übernachtete nach einer langen Clubnacht bei einem entfernten Bekannten. Er hatte mich für die Nacht adoptiert; ich hatte all meine Sinne versoffen und war dankbar um Führung. Er führte mich also via Taxi in sein Bett, hielt mich ein bisschen, zupfte ne Weile an meinem BH rum, wir schliefen ein. Am nächsten Morgen machte ich mich in aller Herrgottsfrüh auf (um mir den Magen auspumpen zu lassen), er fragte im Halbschlaf: „Gehst du?“ Ich: „Ja.“ Er: „Alles Gute.“
Wie wahr.
Die besten Bettgenossen sind die schweigsamen. Die, die einfach gucken. Die deine sekundären Geschlechtsmerkmale mit funkelnden Augen anschauen, dir morgens lediglich einen Kuss auf die Stirn geben, bevor sie verschwinden. Auch ein Grund, weshalb meine Bereitschaft zur nächtlichen/morgendlichen Informationsaufnahme wegbleibt: Es gibt schlichtweg nichts zu sagen. Zum Kaffeetrinken kannst du dich gerne per Post bei mir melden.