November 12, 2009

Null

Jetzt zurück zum Nullpunkt. Zwei Wochen Verliebtsein, zwei Wochen Rekuperation. Der vergangene Monat begann super. Ich glaube, ich kann behaupten, mich verliebt zu haben. Zur Abwechslung auch tatsächlich unverhofft. Ich wollte wirklich nichts von ihm wissen, bis zu dem Tag, an dem wir die fünfzehn Minuten Pause miteinander verbrachten. Uniliebe, dachte ich, hier ist sie. Jetzt lerne ich doch einen tollen Mann an der Uni kennen und werde meinen Enkelkindern bescheiden erklären können, dass ihr Grossvater und ich einmal Kommilitonen waren. Achtung Schnitt. Denn es kam der Tag – ich erwartete ihn ein bisschen, erwartete aber gleichzeitig einmal die Gnade Gottes miterleben zu dürfen – an dem er seine Freundin erwähnte. Und es war ein merkwürdiger Moment, denn zwei Sekunden bevor er’s aussprach, wusste ich, dass es jetzt kommen würde. Es kam und ich tat nichts dergleichen. Und ich heilte ganz von selbst, die zwei darauffolgenden Wochen. Und jetzt bin ich nicht mehr verliebt. Ich vermisse das Gefühl. Und alles geht zurück zum Nullpunkt. Das Tramfahren, essen, schlafen, die Vorlesungen, der Winter.

 

October 14, 2009

2

Heute morgen hat sich ein Mann gegenüber von mir hingesetzt. Im Tram. Er sah gut aus, er war mir schon durch die Scheibe aufgefallen – ich hatte gehofft, er würde sich zu mir setzen. Und da war er also, der Mann, gegenüber von mir, ich brauchte nur von meiner Lektüre hochzusehen, da war er also. Er las die Zeitung, sein Haar nass – ein Vater, wahrscheinlich, ein Ehemann, bestimmt. Ich versuchte, mir seine Frau und sein Kind vorzustellen, die Wohnung die er eben verlassen hatte um mit mir Tram zu fahren. Man kann sagen, dass ich in seine Privatsphäre eindrang, mich dort breitmachte wie ein Parasit. Ich kann nicht normal Tramfahren. Offensichtlich. Ich hoffe, ich seh den Mann von heute morgen nie wieder, denn es wäre mir unangenehm und ich würde mich verlieben.

October 11, 2009

email an einen fremden, der fremd blieb, weil er diese nachricht nicht verstand.

ich weiss nicht, was ich schreiben soll, denn es geht ja hier primär darum, mich zu verkaufen. eigentlich.
ich könnte dinge aufzählen, die ich mag; dinge aufzählen, die ich hasse. alles überspitzen und ein ideal konstruieren, so wie ich mich selber gerne haben möchte. klar habe ich meine lieblingsfilme und meine lieblingsmusik und meine vorzüge, was zürichs quartiere betrifft. und ja, diese dinge sind relevant, ich weiss; es sind dies die feinen unterschiede, die mich von allen anderen differenzieren, die mich herausheben sollen.
ich denk mir: kann ja nicht so schwierig sein, jemanden kennenzulernen.
dann lerne ich jemanden kennen und es ist doch verdammt schwierig, denn da prallen zwei welten aufeinander, die mit unterschiedlichen zeichensystemen kommunizieren.
nichts als ein grosser zufall, jemandem zu begegnen, dem man sich nicht erklären muss.

September 20, 2009

Limbo

Sex ist soweit weg. Hinter Österreich aber nicht in Japan. Hinterland; unauffindbar, wenn man es suchen würde.

Ich suche nicht; denn die Vorstellung ist verblasst, der Gedanke daran antik und Verlangen danach inexistent. Zeit tötet nicht bloss Gefühle, sie tötet auch die Lust an Gefühlen. Die Erinnerung an Gefühle, an gewisse körperliche Zustände lässt je länger je mehr nach und versetzt mich in einen Zustand der mich an der Evolutionstheorie zweifeln lässt.

Was besser ist, als zu wissen, was man misst.

August 17, 2009

Nicht da

Es gibt ein paar wenige Frauen, die unsichtbar sind. Nicht, dass man sie nicht sehen würde oder dass sie unscheinbar wären, aber sie decken für niemanden einen Bedarf. Sie erfüllen schon des einen oder anderen Bedürfnis und finden umgekehrt im einen oder anderen Mann einen günstigen Charakterzug oder ein gutes Herz; aber nie denkt sich ein Mann beim Anblick einer unsichtbaren Frau: Sie ist es.

Liebe muss nicht immer mit einem “Sie ist es” beginnen, ich weiss. Im Gegenteil. Gefühle entstehen meist auf einen viel grösseren Zeit- und damit Fühlraum verteilt. Über die unsichtbare Frau denkt man nicht lange nach. So kann auch nichts wachsen. Bei der unsichtbaren Frau scheitert es in den Anfängen; immer.

Wenn ein Mann in einer Beziehung ist und ein bisschen ist und vielleicht nicht einmal gross hinterfragt, was er an seiner Frau hat; dann kommt sie, die Unsichtbare. Und auf einmal denkt der Mann in der Beziehung von der unischtbaren Frau: Sie ist es.

Und er will sie, die Unsichtbare. Er idealisiert sie. Er glaubt an eine einzig absolute Befriedigung durch sie. Er glaubt, sie mache alles besser.

Aber er bleibt bei seiner Frau und in seiner Beziehung, er ging nur schnell raus Zigaretten kaufen und rauchen. Fertig.

In den Aschenbecher oder auf die Strasse, wo sie niemand sieht.

June 25, 2009

Härterei

Nichtsteifwerden. SiedieMänner. Wieso nicht? Ich verstehe nicht. Ist mir jetzt schon zum zweiten Mal passiert: dass ich mit halberigierten Penissen hantieren musste. Es ist mühsam und anstrengend und funktioniert ganz und gar nicht. Man kann mit Halbstarken nicht penetrieren. Weshalb sie es trotzdem versuchen, ist mir schleierhaft. “Das Runde geht nicht in das Viereckige!” – das weiss man doch (und das ist eine Analogie).

Ist ja ok, wenn der Bub ein Erektion-in-Kondom-Problem hat; dieses zu ignorieren ist nicht ok. Es ist nicht sehr produktiv. Es ist doof und führt zu peinlichem Sex. Und der sollte jedem vorenthalten bleiben, unbedingt. Lieber schlechter Sex als peinlicher “What’s-the-Story-Morning-Glory”-Sex.

April 20, 2009

Durex.dk

Eines heissen Sommers beschloss ich, meine Triebe in Dänemark auszuleben. Eine gute Wahl. Ich mag Dänen. Ich mag ihre Version des Skandinaviertums. Sie sind nicht so perfekt-verderblich-schön wie die Schweden und sie zwängen ihre Sozialstaatärsche nicht prinzipiell in Skinnyjeans. Sprich: Ein Däne weiss kaum, was Margiela ist; ein Däne kommt aus einem Land, wo Filme wie „In China essen sie Hunde“ hergestellt werden; ein Däne will viele Kinder mit dir haben. Das alles trägt zu meiner Liebe für Dänemark bei.

In jenem Sommer lernte ich in Kopenhagen Jakob kennen. Er war Fahrradkurier. Er war so blond, dass ich ihn lange Zeit „Der Durchsichtige“ nannte. Er trug Hemden mit Goethe-Kragen und fuhr Fixie – ich war ja so was von verliebt. Jakob hatte gerade Militärdienst geleistet und drückte mich gegen Wände, wenn er mich küsste. Sein Fahrrad in der einen Hand und mich an der anderen. Es war einer zwanzig-jährigen Sextouristin wahrgewordene Idylle.
Eines Abends nahm er mich dann mit zu sich nach Hause. Er zündete eine Kerze an, die ich umgehend wieder ausblies. Momente, in denen Männer Kerzen anzünden, existieren in meiner Wahrnehmung schlichtweg nicht. Ich übersprang also – skipping damaged area – und schaute Jakob dabei zu, wie er sich vor mir auszog. Er stand nun in Unterwäsche vor mir, sah mich direkt an, todernst. Mein Blick wanderte von seinen durchsichtigen Augen über seinen durchsichtigen Oberkörper zu seinen Boxershorts. Ich legte meine Hand in seinen goldenen Schritt.
Zwanzig Minuten Akrobatik auf höchsten Niveau. Man muss wissen: Ich bin Ex-Kunstturnerin und der Jakob kam wie bereits erwähnt frisch aus dem (dänischen!) Militär. Geleckt wurde ich – getragen von Jakobs starken Armen –auf einer Höhe von circa einem Meter. Er hielt mich an meinen Beinen hoch.
Penetration.
Stand an.
Aber der Däne hatte kein Kondom. Im Haushalt. Er habe nicht gedacht, dass wir miteinander schlafen würden. Sprachliche Differenzen? Also in meiner Sprache heisst „zu Dir nach Hause“ Sex. Privatsphäre impliziert Sex.
Jakobs Kondomlosigkeit stimmte mich aber vor Allem nachdenklich: Wieso hat man keine Kondome zu Hause/bei sich? Unabhängig von der Wahrscheinlichkeit eines Akt-Vollzuges? Ist das Dummheit oder Pessimismus? Gut – angenommen ein Typ besitzt tatsächlich kein beständiges Kondomlager. Dann schafft der sich doch spätestens dann ein Päckchen an, wenn eine Dame zu Besuch kommt?
Ich dachte immer, Jungs würden nie genug von dem Potenzkick kriegen verursacht durch Kondomgrosseinkäufe im Supermarkt? Ihr wisst schon, dieses stramme Hinstellen in die Kassenschlange und dann Hühnchenbrust, gesalzene Butter, Orangensaft, Kondome, Frankfurter Allgemeine, Kondome, Mayonnaise, Zucker?! Diese Ganzkörpererektion an der Supermarktkasse? – Ist das nicht euer Hobby?
Mein Ex bewahrte seine Gummis in seiner Sockenschublade auf. Mit diesem Ex hatte ich kürzlich wieder Sex – bei mir – und ich besitze keine Kondome. Dieser Ex also liess mich – die Kondomlosigkeit festgestellt – mittendrin bebend liegen, rannte durch die Nacht zur nächsten Tankstelle und kam schwer-atmend wieder, um mich im Halbschlaf ins Halleluja zu vögeln.
Guter Junge.
Solche beispielhaften Buben lassen andere Buben – wie Jakob – ziemlich alt aussehen. Ich will nicht wahrhaben, dass mein Ex die Messlatte hoch gesetzt hat – bitte – sondern: ich will davon ausgehen können, dass Männer grundsätzlich Kondome auf sich tragen.
Die Episode mit Jakob sollte nicht alleine stehen in meiner Geschichte des an nicht-anwesenden Kondomen gescheiterten Sex. Viele mehr. Vieleviele Jungs mehr in meinem Schlafzimmer, Schwänze himmelhoch, ich lechzend; aber weit und breit kein Kondom.
Klar bin auch ich schon unter Beschuss geraten, so nach der Argumentation: Wenn du wen mit nach Hause nimmst, bist auch du fürs Zubehör zuständig.
Find’ ich nicht. Es ist dein Penis (so wie du ihn mit dir rumträgst, solltest auch du Kondome mit dir rumtragen), es ist dein Körper, ich bin nicht deine Mutter. Ich kann auf Sex mit dir verzichten, wenn du dumm genug bist, nix dabeizuhaben.

Was Jakob und die Dänen betrifft: Ich will von ihm ausgehend nicht auf ein ganzes Volk schliessen. Ich habe noch nicht genug Denmark by night gesehen, um empirisch argumentieren zu können. Und: meine Hoffnung stirbt nicht.

February 20, 2009

Don’t speak

Ich besitz’ ne schöne Kollektion von hinreissenden Momenten in meinem Bett, zwischen mir und diversen John Does. Solche Erinnerungen tragen natürlicherweise zu meiner aktuellen Rezeptionshaltung für nächtliche, interkursische Diskussionen bei – die nämlich nicht existiert. Was du sagst, wenn du neben mir im Bett liegst, kann ich bei Gott nicht ernst nehmen. Dein Penis ist schon so nahe am Ziel, dass dein Mundwerk nur noch Katalysator sein kann.

Hier ein paar Impressionen aus meinem Poesiealbum für potentielle Penetration:

1.     Ich hatte den roten Lippenstift montiert und mich in einen Club an der Reeperbahn gestellt. For the Kickoff mal drei Vodkaapfelsafts getrunken und auf mein Glück gewartet. Dieses kam nicht oder ich sah es nicht und ich wollte schon gehen als – eine Gruppe dänischer Buben mir ne Flasche Anisschnaps ins Gesicht streckte. Drei Stunden später turnte ich mit Nils in meinem Bett, wurde aber irgendwann so müde, dass ich mich einfach wegdrehte und zum einschlafen ansetzte. Und dann Nils, legendär: „Sach mal, biste jetzt zu müde zum ficken oder was?“

2.     Ich hatte mich verliebt. Er war gross, bärtig, trug mintgrüne Slip-ons, roch perfekt, sein Körper neben meinem fühlte sich an wie die Heimat. Ich wollte nur noch meinen Kopf in seinen Nacken legen und mit glühendem Lava übergossen werden. Abgesehen von seiner Perfektion, wohnte er auch in Osaka. Fucking Japan. I don’t do other continents. Und er sagte in der zweiten Nacht: „Ich treff’ mich in der Regel nur drei Mal mit Frauen. Das ist ein gutes Format. Weißt du – wahres Glück ist kurzes Glück.“. Mein Herz blutete und so enstand Japans Nationalflagge.

3.     Mir war langweilig. Und ich war einsam (Was war nochmals zuerst?). Und ich lernte einen süssen, kleinen Wirtschaftsstudenten kennen. Ich kam über seine perfekte Frisur und die Tatsache, dass er weniger wog als ich, hinweg und schaute mit ihm eines Nachts „Last Tango In Paris“. Danach massierte er mich ein bisschen und verband diese Nettigkeit mit einer Forderung nach einer Gegenleistung: „Die Butterszene!“.[1]

4.     Ich übernachtete nach einer langen Clubnacht bei einem entfernten Bekannten.  Er hatte mich für die Nacht adoptiert; ich hatte all meine Sinne versoffen und war dankbar um Führung. Er führte mich also via Taxi in sein Bett, hielt mich ein bisschen, zupfte ne Weile an meinem BH rum, wir schliefen ein. Am nächsten Morgen machte ich mich in aller Herrgottsfrüh auf (um mir den Magen auspumpen zu lassen), er fragte im Halbschlaf: „Gehst du?“ Ich: „Ja.“ Er: „Alles Gute.“

Wie wahr.

 

Die besten Bettgenossen sind die schweigsamen. Die, die einfach gucken. Die deine sekundären Geschlechtsmerkmale mit funkelnden Augen anschauen, dir morgens lediglich einen Kuss auf die Stirn geben, bevor sie verschwinden. Auch ein Grund, weshalb meine Bereitschaft zur nächtlichen/morgendlichen Informationsaufnahme wegbleibt: Es gibt schlichtweg nichts zu sagen. Zum Kaffeetrinken kannst du dich gerne per Post bei mir melden.

 

 

 

 


[1] Marlon Brando vergewaltigt Romy Schneider anal (die von ihnen gespielten Charaktere). Als Gleitmittel wird Butter verwendet.

February 14, 2009

I said no, no, no.

I haven’t been feeling very kinky. I haven’t been feeling very much at all, really. To make a point: I am a terrible drunk. A night of Vodkatonics kills a week’s love. When I drink too much, I behave like a complete asshole to everybody around me – excluding the person I am trying to invite into my bedroom. It’s a problem. When I’m drunk, I’m a fucking animal.

So after a night of excess it takes me a good week to get back to happy friendship with my friends. I might have bitten them, hit them, kissed their lovers. It’s like my soul turns pitchfuckingblack when I’m intoxicated. Other people’s bodies react much earlier in the night: They throw up, pass out or fall on their faces. That’s when these other people usually stop drinking. My body doesn’t react to alcohol that way. I function like an athlete when I’m drunk. I speak fluent French and Danish. I’ll verbally kill you. But my guts, my sensibility, let’s say: everything that came with some thousand years of civilisation (culture, etiquette, ethics), dies. And I lose myself in one, lustful goal.

February 8, 2009

Fiction

I often wonder about other people’s sex lives. I think about these other people licking, sucking, coming, wiping the cum off of beds and bodies, swallowing cum, applying condoms. I wonder. How it looks like, how they do it, if it all works. I wonder about the sex couples have and the sex singles have. Routine-sex and one-night stands. I think there should be a movie on sliding condoms over strangers’ penises. It’s the most absurd thing. It’s like when you get a glimpse of a microphone when watching a movie. It kills the illusion the movie is trying to create. It reminds you that the film had to be made. The moment you reach for a condom – unpack it, strip it over – the headline goes: “WE ARE HAVING SEX!”. And this is a fact I try to ignore when I have sex. And this is why I probably should not have one-night stands. Because I can’t stand the fiction.